Stadtbahn
Eine Stadtbahn ist ein zu den Bahnen gehörendes Verkehrssystem
des großstädtischen öffentlichen
Personennahverkehrs (ÖPNV, Stadtverkehr). Der Begriff wird
für das einzelne Fahrzeug (Stadtbahnwagen, Stadtbahnzug), eine
Stadtbahnlinie und als Kurzform auch für eine Stadtbahnstrecke
verwendet.
Als Stadtbahnen werden hauptsächlich die besonders in
Deutschland, in geringerer Anzahl aber auch in anderen Ländern
verbreiteten Systeme bezeichnet, die eine Mischform aus U-Bahnen und
Straßenbahnen darstellen. Während die Bahnen in der
Innenstadt oder an anderen verkehrlichen Engpässen
hauptsächlich wie U-Bahnen in Tunneln und streckenweise auch
als Hochbahn oder im Trog verkehren, sind die meisten
Außenstrecken für den Stadtbahnbetrieb ausgebaute
Straßenbahnstrecken, die zwar meist auf eigenem
Gleiskörper geführt sind, aber dennoch niveaugleiche
Kreuzungen mit dem restlichen Straßenverkehr haben.
Stadtbahnsysteme waren oftmals als Vorstufe für einen
vollständig kreuzungsfreien U-Bahn-Betrieb gedacht, der wegen
der hohen Baukosten meist jedoch bis heute nicht realisiert wurde.
Inzwischen wird die Bezeichnung „Stadtbahn“ jedoch
auch für Regionalstadtbahnen (Tram-Trains) sowie allgemein
– als Übersetzung für den englischen
Begriff „Light rail“ – für
moderne Straßenbahnsysteme verwendet.
Der Begriff Stadtbahn wurde Ende des 19. Jahrhunderts zuerst in Berlin
für eine Eisenbahnstrecke des Nah- und Fernverkehrs zwischen
der damaligen Stadt Charlottenburg und Berlin entwickelt (Berliner
Stadtbahn), er stammt also von der großen Eisenbahn ab.
Ähnliche Vorstellungen zur Gestaltung eines
innerstädtischen Nahverkehrs führten in Wien zum Bau
der Wiener Stadtbahn. Diese ab 1898 als Dampfeisenbahn
eröffnete Bahn erfuhr 1925 eine Wiedereröffnung als
Wiener Elektrische Stadtbahn. Sie kann wegen der Bauart der
eingesetzten elektrischen Stadtbahnfahrzeuge und einer ins normale
Straßenbahnnetz wechselnden Linie als Vorgänger
heutiger moderner Stadtbahnsysteme betrachtet werden. Unter der
Bezeichnung Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn wurde 1906 zwischen
den damaligen Städten Blankenese, Altona (Elbe) und Hamburg
mit dampfbespannten Zügen eine weitere Stadtbahn
eröffnet, die heutige S-Bahn Hamburg.
Meyers Konversationslexikon von 1908 unterscheidet bereits zwei
Systemtypen (vergleichbar mit heutigen S- bzw. U-/Stadtbahnen):
„Stadtbahnen bleiben entweder auf den
binnenstädtischen Personenverkehr, unter Umständen
nebst gepäcklosem Vorortverkehr, beschränkt und sind
dann hinsichtlich ihrer Bau- und Betriebsart ganz unabhängig,
können also den Eigenheiten des
großstädtischen Personenverkehrs in vollkommenster
Weise angepaßt werden; oder sie ermöglichen an ihren
Endpunkten wie an andern Stellen mittels direkten Anschlusses an
äußere Fern- und Vorortbahnen den Übergang
von Zügen zu und von diesen Bahnen und nehmen dann den Fern-,
Vorort- und binnenstädtischen Personenverkehr, unter
Umständen auch Güterverkehr, auf.“
Ab den 1960er Jahren wurden in Deutschland immer mehr
Straßenbahnstrecken in den Innenstädten in Tunnel
verlegt. Während kaum ausgebaute Straßenbahnsysteme
mit wenigen in den Tunnel verlegten Strecken als
U-Straßenbahnen bezeichnet werden, etablierte sich der
Begriff Stadtbahn für die modernisierten Systeme mit einem
hohen Anteil an Tunnelstrecken. Im französischsprachigen
Ausland werden ähnliche Systeme als
„Métro léger“ oder
„Prémétro“ bezeichnet, wobei
der zweite Begriff den Betrieb der Tunnelstrecken mit
Straßenbahnen als Vorläufer einer kreuzungsfreien
U-Bahn bezeichnet. Heute wird die Bezeichnung
„Stadtbahn“ ähnlich wie beim englischen
Begriff „Light rail“ für unterschiedliche
ÖPNV-Verkehrssysteme verwendet, die gegenüber
herkömmlichen Straßenbahnen höherwertige
Standards haben, jedoch nicht den Kriterien einer vollwertigen U-Bahn
entsprechen. z.B. für Regionalstadtbahnen bzw. Tram-Trains.
Ähnlich wie bei den Begriffen „U-Bahn“ und
„S-Bahn“ wird die Bezeichnung
„Stadtbahn“ dabei auch aus
Marketinggründen für Systeme benutzt, die nur wenige
der ursprünglichen Kriterien für Stadtbahnen
erfüllen. So wird die Straßenbahn Erfurt heute als
Stadtbahn bezeichnet, obwohl große Teile des Netzes nicht auf
eigenem Gleiskörper liegen.
Der Begriff Stadtbahn wird ferner als Sammelbezeichnung für
sämtliche innerstädtischen schienengebundenen
Verkehrsmittel verwendet und kann dabei Straßenbahnen,
Stadtbahnen i.e.S., U-Bahnen und S-Bahnen umfassen.
Die meisten Stadtbahnen sind Mischsysteme aus U-Bahnen und
Straßenbahnen, die sowohl auf kreuzungsfreien Abschnitten im
Tunnel, als Hochbahn, im Einschnitt oder ebenerdig als auch auf
Straßenbahnstrecken fahren. Stadtbahnen besitzen meist einen
eigenen Gleiskörper. Stadtbahnen haben – anders als
die völlig vom übrigen Verkehr getrennten U-Bahnen
– niveaugleiche Kreuzungen mit dem Straßenverkehr.
Kreuzungsfreie Stadtbahnstrecken sind in der Regel signalisiert.
Straßenbahnähnliche Strecken werden dagegen meist
auf Sicht betrieben. Stadtbahnen werden jedoch in vielen
Städten durch Ampelvorrangschaltung an Kreuzungen beschleunigt.
Die meisten älteren Stadtbahnsysteme nutzen Hochflurfahrzeuge.
Für einen stufenlosen Einstieg in die Züge haben alle
Tunnelbahnhöfe dieser Systeme Hochbahnsteige, wodurch sie kaum
von richtigen U-Bahnhöfen unterscheidbar sind. Wegen eines
Mischbetriebs mit Straßenbahnen mit Niederflureinstieg wurden
jedoch in einigen Städten wie z.B. Köln nicht alle
Stationen von Anfang an mit Hochbahnsteigen ausgestattet. In Duisburg
fahren bis heute Straßenbahnen durch den Tunnel der
Stadtbahn, weshalb in den Tunnelbahnhöfen sowohl Hoch- als
auch Niedrigbahnsteigabschnitte vorhanden sind. An den oberirdischen
Anschlussstrecken wurden beim Stadtbahnbau an den meisten Haltestellen
ebenfalls Hochbahnsteige angelegt. In manchen Städten gibt es
jedoch weiterhin oberirdische Haltestellen ohne Hochbahnsteige, sei es
wegen einem Mischbetrieb mit normalen Straßenbahnen oder aus
Platzgründen oder ästhetischen Gründen.
Für Haltestellen ohne Hochbahnsteige besitzen viele
Hochflur-Stadtbahnwagen sogenannte Klapptrittstufen.
Neuere Stadtbahnsysteme werden dagegen meistens mit Niederflurbahnen
betrieben, die keine Hochbahnsteige benötigen und auch an
schlecht ausgebauten Haltestellen, an denen es gar keine Bahnsteige
gibt, einen relativ einfachen Einstieg ermöglichen. Die Kosten
für die Umrüstung bestehender Straßenbahn-,
aber auch Eisenbahnstrecken können dadurch gering gehalten
werden. Auch in Köln entschied man sich in den neunziger
Jahren, zwei Stammstrecken und die dazugehörigen
Linienäste nicht mit Hochbahnsteigen auszurüsten und
die wenigen bereits gebauten Hochbahnsteige wieder abzubauen. Durch den
Einsatz von Niederflurstadtbahnen verschwimmt die Grenze zwischen
Stadtbahnen und Straßenbahnen jedoch immer mehr, auch weil
normale Straßenbahnstrecken ohne größeren
Ausbau, u.a. dem Bau von Hochbahnsteigen, an Tunnelstrecken
angeschlossen werden können.
Die Entwicklung in
Deutschland
Anfang der 1960er Jahre suchten viele mittlere
Großstädte nach neuen Wegen, um den
Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu gestalten. Die
Stadtplaner empfanden zudem die im normalen Individualverkehr
mitschwimmende Straßenbahn zunehmend als Verkehrshindernis.
Eine Umstellung auf reinen Busverkehr war in vielen Fällen
wegen des hohen Beförderungsaufkommens nicht sinnvoll, wurde
in Berlin und Hamburg dennoch auf einigen Strecken
durchgeführt (gebrochener Verkehr). Der Bau eines reinen
U-Bahn-Systems erwies sich als zu teuer und zeitlich sehr langwierig,
daher gingen auch nur München (U-Bahn München) und
Nürnberg (U-Bahn Nürnberg) diesen Weg. In beiden
Städten blieb jedoch ein Straßenbahnnetz als
Ergänzung zur U-Bahn erhalten – wenngleich reduziert
um die Strecken, die nun von der U-Bahn bedient werden. Als
Alternativmodell entstand die Stadtbahn, die auf eigenem
Gleiskörper oder nur in Innenstadtbereichen unterirdisch
geführt werden sollte, ansonsten durch Rampen an bisher
bestehende Straßenbahnnetze angeschlossen werden konnte.
Damit können neue Tunnelabschnitte oder Gleisbetten recht
schnell in ein bestehendes System integriert werden. Auf das Gesamtnetz
umgerechnet sind Stadtbahnen somit erheblich billiger als
Voll-U-Bahnen, da die bestehende Straßenbahn-Infrastruktur
weiter genutzt werden kann.
Die ersten Stadtbahnnetze mit U-Bahn-Strecken wurden 1966 in Stuttgart
(Stadtbahn Stuttgart), 1968 in Frankfurt am Main (Stadtbahn Frankfurt
am Main) sowie in Köln (Stadtbahn Köln)
eröffnet. Außer in Frankfurt wurden zuerst normale
Straßenbahnfahrzeuge eingesetzt. Die
Main-Metropole setzt auf einigen Linien bis heute
straßenbahnkompatible Stadtbahnwagen mit
Klapptrittstufen ein (U 5, U 6). In Stuttgart wurden nur von Meter- auf
Normalspur umgerüstete Strecken als Stadtbahn bezeichnet
(inzwischen sind sämtliche Strecken umgespurt).
Die Tunnelanlagen wurden daher so ausgelegt, dass diese von normalen
Straßenbahnwagen befahren werden konnten.
Da die meisten Betriebe Einrichtungswagen einsetzten, entstanden in der
Überzahl der Stadtbahnstädte in den
Tunnelbahnhöfen Seitenbahnsteige
– zuerst in niedriger Höhe. Mit dem
Übergang zu speziellen Stadtbahnwagen wurden auf
Stadtbahnstrecken vermehrt Mittelbahnsteige eingebaut. Diese entstanden
gleich als Hochbahnsteige, die Seitenbahnsteige wurden in fast allen
Betrieben mit Stadtbahnwagen zu Hochbahnsteigen
umgebaut.
Im Ruhrgebiet und Düsseldorf (Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr) sowie
Frankfurt am Main und Stuttgart tragen Stadtbahnlinien das von reinen
U-Bahn-Systemen (Berlin, Hamburg, München, Nürnberg)
bekannte „U“ vor der Liniennummer. Die
Zugänge zu den Bahnsteigen oder Bahnhöfen der
Stadtbahnen sind ebenfalls mit diesem Hinweisschild ausgestattet.
In Hannover (Stadtbahn Hannover; Eröffnung 1975) sind die
Zugänge zu den U-Bahn-Stationen und die oberirdischen
Haltestellen mit einem Hochbahnsteig mit einem modifizierten U-Zeichen
versehen (farbliche Absetzung der oberen beiden Enden des U: durch
dieses Ü wird somit auch auf die Betreiberin üstra
Hannoversche Verkehrsbetriebe hingewiesen). Die verbliebenen
oberirdischen Haltestellen mit Niedrigbahnsteigen werden langfristig
mit Hochbahnsteigen ausgerüstet werden. Sie sind mit dem
klassischen grün-gelben „H“-Zeichen
gekennzeichnet.
In Köln sind alle unterirdischen sowie jene oberirdischen
Haltestellen, die einem vollständigen Ausbau nach
Stadtbahn-Standard entsprechen, mit dem klassischen blauen
„U“ gekennzeichnet. Alle weiteren Haltepunkte
tragen das bei Straßenbahnen und Bussen übliche
grün-gelbe „H“ zur Kennzeichnung. Nur
Karlsruhe verwendet das S-Bahn-Symbol.
In weiten Bevölkerungskreisen werden diese Netze daher auch
als U-Bahn wahrgenommen. Der Begriff „Stadtbahn“
hat sich nicht überall im allgemeinen Sprachgebrauch
durchgesetzt. Das ist vielen Betrieben recht, da sich die Marke
„U-Bahn“ als sehr werbewirksam erweist. Ein
späterer Übergang zu reinem U-Bahn-Betrieb war bei
den meisten Stadtbahnen (Frankfurt am Main, Hannover, Stuttgart)
berücksichtigt, doch diese Entwicklung erscheint derzeit sehr
unwahrscheinlich.
In Düsseldorf (Stadtbahn Düsseldorf) soll auf der
derzeit in Planung befindlichen Wehrhahnlinie mit den neuen
Stadtbahn-Linien U71, U72 und U73 ein Betrieb mit Niederflurwagen
aufgenommen werden, da für den oberirdischen Einsatz dieser
Fahrzeuge weniger störende besondere Ausbauten (Tief- anstatt
Hochbahnsteige) nötig sind als bei einer
herkömmlichen hochflurigen Stadtbahn. Dies zeigt sich unter
anderem an den Linien U78 und U79, die streckenweise immer noch mehr an
eine Straßen- als an eine Stadtbahn erinnern.
In Hannover ist die Umwandlung der „klassischen“
Straßenbahn in eine reine Stadtbahn seit 1996 weitgehend
abgeschlossen, in Stuttgart ist dies seit 2008 der Fall. In anderen
Städten wird neben der Stadtbahn auch weiter an der
klassischen Straßenbahn (Bonn, Düsseldorf,
Frankfurt, Essen, Oberhausen), allerdings in
Niederflurausführung, festgehalten. Das Stadtbahnnetz in
Köln ist in ein Hochflurnetz mit normalem
Stadtbahnwagenbetrieb und in ein Netz für
Niederflur-Stadtbahnen aufgeteilt. In Mülheim an der Ruhr,
Essen und Bochum werden im Tunnel liegende Meterspur-Abschnitte als
Straßenbahnlinien geführt und zunehmend mit modernen
niederflurigen Straßenbahnwagen befahren, während
die älteren hochflurigen Modelle mittelfristig
abgelöst werden sollen. Duisburg fährt Tram- und
Stadtbahnlinien auf gemeinsamen Strecken. Dort verfügen die
Straßenbahnwagen lediglich über ein kurzes
Niederflurteil-Segment. In Bielefeld wird auf Dauer die Stadtbahn als
U-Straßenbahn in Meterspur betrieben werden. Eine
Umrüstung auf Normalspur ist jedoch möglich.
In Dortmund wurde seit 1983 die klassische Straßenbahn durch
eine Stadtbahn ersetzt. Dieser Umbau ist seit 2008 mit der
Inbetriebnahme des Ost-West-Tunnels (Tunnel III) vorläufig
abgeschlossen. Die Tunnelstrecken I und II sind bereits
stadtbahnmäßig ausgebaut und werden mit hochflurigen
Stadtbahnwagen des Typs B80C und B100S betrieben, doch im neuen Tunnel
auf dem Ost-West-Netz werden moderne
Niederflurstraßenbahnwagen des Typs Bombardier Flexity
Classic zum Einsatz kommen. Dadurch ist der Einstieg auch an den
oberirdischen Haltestellen bereits wesentlich bequemer, allerdings wird
der vollständige barrierefreie Ausbau dieser Haltestellen auf
den neuen Stadtbahn-Linien U43 und U44 mit Tiefbahnsteigen noch bis
voraussichtlich 2018 dauern.
Beim Tunnelbau wird zwischen dem Ausbau in Straßenbahn-Manier
mit vielen niveaugleichen Kreuzungen und Abzweigen (typisch
für Köln) und der Bauweise in U-Bahn-Manier mit meist
kreuzungsfrei ausgeführten Abzweigen (Bielefeld, Stadtbahnnetz
Rhein-Ruhr, Frankfurt, Hannover, Stuttgart) unterschieden. Die
Trassierungselemente der Stadtbahn-Tunnelstrecken entsprechen
weitgehend denen einer U-Bahn. Allerdings ist der Ausbau zum Teil
teurer, da Stadtbahnen im Gegensatz zu den meisten Voll-U-Bahnen ihren
Strom durch Oberleitungen erhalten. Daher muss das Tunnelprofil
größer gehalten werden als bei mit Stromschienen
betriebenen U-Bahnen. In wenigen Fällen kommt eine an die
Tunneldecke konstruierte Stromschiene zur Anwendung.
In der DDR wurden keine Stadtbahnen gebaut. Dort setzte man
häufig auf klassische Straßenbahnnetze mit vielen
Linien, so dass dadurch eine höhere Flächendeckung
(gegenüber Stadtbahnen) erreicht wurde. Diese war auch
notwendig, da dort mehr Menschen auf öffentliche
Verkehrsmittel angewiesen waren als in Westdeutschland.
Straßenbahn als
Stadtbahn
Einige reine Straßenbahnbetriebe bezeichnen ihre Netze als
Stadtbahn. So wurde 1996 die Erfurter Straßenbahn per
Stadtratsbeschluss in Stadtbahn Erfurt umbenannt, ebenso wie die
Stadtbahn Freiburg, ohne dass diese jedoch Stadtbahnen im eigentlichen
Sinne darstellen. Nach 1990 begann man in Chemnitz ein
stadtbahnähnliches System einzuführen (siehe
Stadtbahn Chemnitz und Chemnitzer Modell), bei dem die
Straßenbahn hauptsächlich vom
Straßenverkehr getrennt, dennoch oberirdisch und teilweise
auf Eisenbahngleisen verkehrt.
Straßenbahn-/Stadtbahnwagen NGT8DD in Dresden – vom
Straßenverkehr getrennt auf Rasengleis geführt
Die Fahrzeuge verkehren weiterhin nach BO Strab, werden aber durch
Rasengleis, eigene Gleisbetten usw. vom Straßenverkehr
getrennt und können diesem damit wie klassische Stadtbahnen
Konkurrenz machen. In Leipzig wurden nach 1990 drei stark frequentierte
Straßenbahnlinien mit weitgehend eigenem Gleiskörper
zu Stadtbahnlinien ausgebaut (siehe Leipziger Verkehrsbetriebe). In
Dresden werden die Niederflurwagen seit Erstlieferung als
Stadtbahnwagen bezeichnet und die Strecken dahingehend ausgebaut. Bis
2009 bestehen drei Tramlinien, die man durchaus als Stadtbahnlinien
bezeichnen kann, da sie hauptsächlich vom
Straßenverkehr getrennt sind. Ziel der Dresdner
Verkehrsbetriebe ist ein nahezu kompletter Ausbau der
Straßenbahnstrecken zu Stadtbahnstrecken. Auch in Erfurt sind
die Strecken außerhalb des Zentrums zum
größten Teil vom übrigen Verkehr getrennt,
während innerhalb vor allem Fußgängerzonen
mit entsprechend niedriger Geschwindigkeit durchfahren werden. Damit
ist die Abgrenzung, ob es sich um eine Straßen- oder
Stadtbahn handelt, inzwischen recht fließend. Nach diesem
Konzept, das seine Vorteile vor allem in geringen Baukosten im
Vergleich zu Stadtbahnen mit strikterer baulicher Trennung zum
Straßenverkehr aufweist, wird auch die Stadtbahn Hamburg
geplant, die teilweise zusammen mit dem Straßenverkehr
geführt werden soll.
Diese Stadtbahnen sind aus Streckenneu- und -ausbau mit vom
Individualverkehr unabhängigen Gleisführungen
hervorgegangen, ohne Tunnelabschnitte einzuplanen. Die
Höchstgeschwindigkeit in den Außenbezirken wurde
erhöht (z.B. Erfurt 60 km/h), die Durchschnittsgeschwindigkeit
im Stadtzentrum blieb gering, wurde dennoch erhöht. Der
Begriff bezeichnet hier das innerstädtische Verkehrsmittel
– vergleichbar der Begriffsverwendung von
„Stadtbus“. Deutlich wird die unterschiedliche
Auslegung der Bezeichnung: der „echten“ Stadtbahn
mit schnellbahnähnlichem Charakter (oft Tunnelstrecken,
Einschnitt- oder Hochbahnabschnitte, aufwändige
Haltestellenbauten etc.) steht eine „Bahn der
Stadt“ oder Metropole gegenüber. Stadtbahn wird
definiert als eine modern ausgebaute, aufgewertete
Straßenbahn in der Stadt. Ähnliche
Begriffsentwicklungen finden sich bei den von Metro(pole) abgeleiteten
Bezeichnungen Metrotram und Metrobus.
Regionalstadtbahnen
Durch das Einbeziehen oder die Mitnutzung von Eisenbahnstrecken in
Stadtbahnnetzen entwickelten sich Regionalstadtbahnen (auch
RegioStadtbahn o.ä. genannt). Im Raum
Köln–Bonn entstand durch den Umbau zweier
früherer Eisenbahnstrecken (Rheinuferbahn und Vorgebirgsbahn
der ehemaligen Köln-Bonner Eisenbahnen) eine betriebliche
Einheit (Hochflurstrecken) der Kölner Stadtbahn mit der 1974
eröffneten Stadtbahn Bonn. Weitere Entwicklungen
führten zu „Tram-Train“-Netzen, die eher
einer S-Bahn ähneln. Diese Idee wurde erstmals 1992 in
Karlsruhe (Stadtbahn Karlsruhe) verwirklicht, wo im Rahmen des
„Karlsruher Modells“ auch so genannte
Zweisystem-Triebwagen zum Einsatz kommen, die neben dem Gleichstrom von
Straßenbahn-Strecken (750 Volt) auch den 15-kV-Wechselstrom
aus der normalen DB-Oberleitung beziehen können. In Karlsruhe
reicht dieses Netz in das 84 Kilometer entfernte Heilbronn, wo
– von dieser Strecke ausgehend – momentan ebenfalls
ein Stadtbahn-Netz entsteht. Die Stadtbahn erfüllt in
Karlsruhe und in Heilbronn sowohl die Aufgaben einer klassischen
Straßenbahn als auch die einer S-Bahn. Das Karlsruher
Mischbetriebskonzept wurde auch bei der Saarbahn in
Saarbrücken verwirklicht. Dieses Modell wird heute bevorzugt
in Frankreich als Tram-Train bezeichnet.
Stadtbahnen in
Österreich
In Wien gab es ab Ende der 1920er-Jahre bis 1945 bereits eine
Kombination aus Straßenbahn und Stadtbahn. Damals wechselte
die Straßenbahnlinie 18G vom Ostbahnhof kommend an der
Gumpendorfer Straße zur Gürtellinie der Wiener
Stadtbahn. Die verwendeten Triebwagen waren für den
Straßenbahn- und Stadtbahnbetrieb geeignet – damit
war diese Linie ein Vorläufer moderner Stadtbahnsysteme. Heute
gehört die teils als Einschnittbahn, teils auf einem Viadukt
verlaufende Gürtellinie zur U-Bahn (U6). Der Betrieb erfolgt
heute mit Niederflurwagen.
Die Badner Bahn ist eine Überlandstraßenbahn mit
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Von der Wiener Oper bis Wien
Schedifkaplatz sowie zwischen Baden Leesdorf und Baden Josefsplatz
verkehrt sie als Straßenbahn, im Überlandbereich
zwischen Wien Schedifkaplatz und Baden Leesdorf als Vollbahn auf
eigenem Gleiskörper.
Linie STB der IVB
Im Großraum Innsbruck kann die Linie STB (frühere
Bezeichnung: Stubaitalbahn) als Regionalstadtbahn bezeichnet werden.
Sie verkehrt zwischen Fulpmes und Innsbruck-Wilten auf eigenem
Gleiskörper und setzt ihre Fahrt von dort bis zum Hauptbahnhof
auf Gleisen der Innsbrucker Straßenbahn teilweise im
Mischverkehr fort. Sie ist rechtlich keine Straßenbahn,
sondern eine Nebenbahn, wird aber mit denselben Fahrzeugen wie die
Straßenbahnlinien betrieben. Seit 2003 läuft die
infrastrukturelle Umrüstung auf Stadtbahnstandard, sie wird
der Nord-Süd-Ast des künftig T-förmigen
Innsbrucker Stadtbahnnetzes.
Die Linzer Straßenbahn besitzt einen Innenstadttunnel,
über den alle drei Linien den Hauptbahnhof anfahren. Dabei
werden auch zwei vollkommen unterirdische Stationen und eine nach oben
geöffnete Haltestelle angefahren.
Salzburger Lokalbahn
Bei der Salzburger Lokalbahn handelt es sich auf dem
Überland-Abschnitt zwischen Salzburg Itzling und
Lamprechtshausen bzw. Trimmelkam um einen Stadtbahn-Betrieb auf einer
Vollbahn-Strecke. Der bestehende Tunnelabschnitt zwischen Salzburg
Itzling und Salzburg Lokalbahnhof und dessen geplante
Verlängerung durch die gesamte Innenstadt, der sich derzeit in
Planung befindet, ist eine reine Stadtbahn-Strecke mit
eingeschränktem Stadtbahn-Lichtraumprofil. Auf ihr kommen
Stadtbahn-Fahrzeuge zum Einsatz. Die Salzburger Lokalbahn ist in die
S-Bahn Salzburg eingegliedert, es findet derzeit aus Mangel geeigneter
Fahrzeuge (unterschiedliche Stromsysteme) aber kein
Fahrzeug-Übergang zwischen SLB-Stadtbahn und
ÖBB-S-Bahn statt.
Ein kleines Teilstück der eingestellten schmalspurigen
Ybbstalbahn wird im Raum Waidhofen als Stadtbahn
weitergeführt, mit der Stadtbahn Waidhofen gibt es nach der
Einstellung der Straßenbahn Ybbs in Österreich
wieder eine Stadtbahn auf Bosnaspur (760 mm).
Stadtbahnen in der Schweiz
In der Schweiz werden verschiedene Nahverkehrsbahnen als Stadtbahnen
bezeichnet. Die Glattalbahn verbindet mehrere Gemeinden und der
Flughafen Kloten im Norden von Zürich mit drei Linien. Sie
stellt eine Mischung aus Straßenbahn/Tram und einer Eisenbahn
dar; der größte Teil der Glattalbahn ist
eigentrassiert, und als Rollmaterial werden die als Cobra bekannten
Tramfahrzeuge der Verkehrsbetriebe Zürich verwendet. Die
Métro Ouest in Lausanne wird technisch ebenfalls als eine
Stadtbahn angesehen.
Die Stadtbahn Zug ist eine Mischung zwischen Stadtbahn und S-Bahn, da
sechs Stationen in der Stadt Zug bedient werden. Sie verkehrt vor allem
als Stadler FLIRT-Komposition auf dem Trassee der Schweizerischen
Bundesbahnen.
Europa
Stadtbahnsysteme wurden auch in Großbritannien heimisch. Das
Netz in Newcastle upon Tyne besteht seit 1984. Dort wurden neben neuen
Tunnelanlagen auch Eisenbahnstrecken ins Netzwerk einbezogen. Auch
Manchester und Birmingham erhielten Stadtbahnsysteme. Für die
Midland Metro Birmingham – Wolverhampton wird die Bezeichnung
MetroTram verwendet.
In London entstand mit der Docklands Light Railway ein System, das auf
Stadtbahntechnik mit den entsprechenden Fahrzeugen basiert, aber mit
Stromschiene betrieben wird. Ein Teil der dort beschafften Wagen ist
inzwischen nach Umbauten auf dem Essener Stadtbahnstrecken im Einsatz.
Tram-Train der Stadtbahn Alicante an der im Mai 2007
eröffneten Station Mercado (Markt)
In Alicante (Spanien) wurde eine bestehende Schmalspurbahnlinie zum
Anlass genommen, daraus ein Stadtbahnsystem zu entwickeln. Die
Stadtbahn Alicante ist somit eine Regio-Stadtbahn. Im Mai 2007 wurde
der erste Teil des Innenstadttunnels mit zwei unterirdischen Stationen
in Betrieb genommen. Er wird von Tram-Trains befahren.
In Portugal entstand in jüngerer Zeit ebenfalls ein
Stadtbahnsystem, die Metro do Porto. Die Bahn benutzt neue
Tunnelstrecken und von Meter- auf Normalspur umgerüstete
Eisenbahnstrecken.
In Polen existiert eine kreuzungsfreie Stadtbahnlinie in Posen. Die
Strecke trägt eine Bezeichnung Schnelle Straßenbahn
(Szybki tramwaj) und wurde im Einschnitt und als Hochbahn gebaut. Eine
weitere gleichartige Strecke in Posen ist derzeit im Bau. Ebenfalls
wird eine Stadtbahnlinie in Krakau gebaut, mit einem Tunnel und zwei
unterirdischen Stationen. Sie soll von Niederflurfahrzeugen bedient
werden. In den Niederlanden wird für vergleichbare Systeme die
Bezeichnung „Schnelltram“ (Sneltram) verwendet.
Die Metro Wolgograd in Russland sowie die Krivoy Rog Schnellbahn in der
Ukraine werden als Metrotram bezeichnet.
Nord- und
Südamerika
In den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden Systeme mit deutscher
Fahrzeugtechnik (Frankfurter Typ U2). Ein erstes Netz entstand 1977 im
kanadischen Calgary, dem 1981 eines in Edmonton folgte. Ebenso
eröffnete 1981 in San Diego eine Stadtbahn mit deutschen
Fahrzeugen. Später folgten St. Louis (mit Tunnelstrecken),
Baltimore, Salt Lake City, Denver, Dallas und Jersey City
(gegenüber von New York City gelegen) und andere
Städte. Aus bestehenden Straßenbahnstrecken wurden
die Stadtbahnnetze in Pittsburgh, Newark, New Jersey und in San
Francisco entwickelt. Neue Stadtbahnnetze mit deutschen
Technikparametern mit Tunnelanlagen entstanden zudem in den
mexikanischen Städten Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey.
Im Jahre 2005 wurde eine Stadtbahn mit Flughafenanbindung in
Minneapolis eröffnet. In Houston, Texas, fährt seit
2004 eine Light Railway 12 km durch die Innenstadt. 2009 wurde die Link
Light Rail Stadtbahn in Seattle eröffnet. Bei dieser gibt es
die Besonderheit, dass ein Innenstadttunnel im Mischbetrieb von
Stadtbahnen und Duo-Bussen befahren wird.
Die grüne Linie der Bostoner Metro (Light Rail)
könnte als Stadtbahn bezeichnet werden, da hier
Straßenbahnwagen im Innenstadtbereich in Tunnelanlagen, sonst
als Straßenbahnen verkehren. Die Linie wurde 1897/98
eröffnet und war die erste unterirdisch fahrende
Straßenbahn der Welt.
Asien
Das Londoner Docklands-Modell wurde in der türkischen
Hauptstadt Ankara mit dem „Ankaray“-System
nachgebaut. Weitere Stadtbahnsysteme wurden in Istanbul, Izmir, Bursa
und Antalya angelegt.
Im Osten Asiens erhielt die philippinische Hauptstadt Manila ein
Stadtbahnsystem. Dieses wurde so gut wie kreuzungsfrei gebaut und wird
mit Fahrzeugen der belgischen Straßenbahn-Standardbauart
(Lüttich, Oostende) sowie Fahrzeugen des tschechischen
Herstellers C(KD Tatra betrieben.
Quelle Wikipedia
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